Threonin & Threonin-Mangel
Threonin gehört zur Gruppe der essentiellen Aminosäuren und kommt in zahlreichen eiweißhaltigen Lebensmitteln vor, insbesondere in Fleisch, Fisch, Eiern und Hülsenfrüchten. Da der menschliche Körper Threonin nicht selbst synthetisieren kann, muss es regelmäßig in ausreichender Menge mit der Nahrung oder durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Im Jahr 1935 entdeckte schließlich der Biochemiker die zwanzigste und letzte proteinogene Aminosäure Threonin. Unter anderem ist Threonin relevant als Baustein für die semiessentielle Aminosäure Glycin. Threonin ist am Wachstum und an immunologischen Prozessen im menschlichen Körper beteiligt. Außerdem kommt Threonin in höheren Konzentrationen im Kollagen des Bindegewebes vor und ist daher von Bedeutung für die Zahn- und Knochengesundheit, sowie für die Elastizität von Sehnen und Bändern. Threonin hält außerdem die schützende Barriere der Schleimhäute aufrecht, die beispielsweise die Magenwand vor der Magensäure schützt. Ein Threonin-Mangel kann in jungen Jahren zu Entwicklungsstörungen führen. Hingegen ist jedoch auch ein Überschuss an der Aminosäure bedenklich und führt zu vermehrter Harnsäureproduktion, was in der Folge Gicht hervorrufen kann.
Funktion im Körper
Von allen proteinogenen Aminosäuren zählt Threonin zu den bisher noch wenig erforschten. In Zukunft können daher durchaus weitere Funktionen der Aminosäure für den menschlichen Körper entdeckt werden. Vorerst steht Threonin im Zusammenhang mit folgenden Prozessen:
- Wachstum und Entwicklung
- Harnsäurestoffwechsel
- Baustein für Glycin, Vitamin B12
- Zahn- und Knochengesundheit
- Elastizität von Sehnen und Bändern
- Immunsystem
- Schleimhäute
Threonin-Mangel
Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein Threonin-Mangel nahezu ausgeschlossen. Unter bestimmten Umstände, wie etwa bei Infekten und verschiedenen anderen Krankheiten ist jedoch der Threoninbedarf erhöht.
Ursachen
Kann der Mehrbedarf unter diesen Umständen nicht durch die Nahrung gedeckt werden, kann es zum Mangel kommen.
Symptome eines Threonin-Mangels
Ein Threonin-Mangel kann durch verschiedene, teils unspezifische Symptome angekündigt werden:
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Fettleber
- Entwicklungsstörungen (verzögertes Knochenwachstum)
- Infektanfälligkeit
Threonin-Mangel behandeln und vorbeugen
In der Regel genügt eine ausgewogene Ernährungsweise, um einem Threonin-Mangel vorzubeugen. Im Bedarfsfall, etwa bei Multipler Sklerose, wiederkehrenden Infekten und starker körperlicher Anstrengung, kann der Arzt die Behandlung mit einem Nahrungsergänzungsmittel erwägen, um einem Mangel vorzubeugen bzw. einen bestehenden Mangel zu beheben.
Selbstbehandlung
Neben bestimmten Krankheiten können verschiedene Nährstoffmängel einen Threonin-Mangel begünstigen. So benötigt der Körper zum Verstoffwechseln von Threonin ausreichende Mengen Magnesium, Vitamin B3 und Vitamin B6. Wird ein Threonin-Mangel vermutet, sollte der Patient daher auch auf diese möglichen Nährstoffmängel hin getestet werden. Gegebenenfalls ist ein Nahrungsergänzungsmittel nötig. Da eine Überdosierung von Threonin unerwünschte Nebenwirkungen haben kann, ist von einer Behandlung in Eigenregie abzusehen.
Überdosierung
Hohe Konzentrationen von Threonin fördern die Harnsäureproduktion und können langfristig, vor allem bei verminderter Flüssigkeitszufuhr zu Gicht führen.
Täglicher Bedarf
Bisher hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) keine Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Threonin herausgegeben. Es wird ein Tagesbedarf von sechzehn Milligramm Threonin pro Kilogramm Körpergewicht für einen Erwachsenen angenommen. Das entspricht einer Tagesdosis von 1,2 Gramm bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 75 Kilogramm.
Risikogruppen Threonin-Mangel
Risikogruppe | Beschreibung |
---|---|
Chronisch Erkrankte | Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wird aufgrund der bestehenden Entzündungsprozesse auch die Schleimhaut angegriffen. Durch diese Schäden erhöht sich auch der Threoninbedarf. |
Sportler | Bei starker körperlicher Anstrengung, wie etwa sportlicher Betätigung, kann Threonin zur Energiegewinnung genutzt werden. Der erhöhte Umsatz kann, wenn er nicht gezielt durch die Nahrung ausgeglichen wird, zum Threonin-Mangel führen. |
Sonstige | Patienten von Multiple Sklerose |
Threonin findet Anwendung bei
Anwendungsgebiet | Beschreibung |
---|---|
Multiple Sklerose | Als Baustein für Glycin kommt Threonin indirekt eine antispastische Wirkung bei der Behandlung von Multipler Sklerose zu. Neben der Supplementation mit Glycin empfiehlt sich daher begleitend die zusätzliche Gabe von Threonin. |
psychische Erkrankungen | Glycin wirkt beruhigend und besänftigend bei Angstzuständen, manischen Phasen und Reizbarkeit. Da Threonin im Hirn zu Glycin umgewandelt wird, kann die Aminosäure therapeutisch bei Angstzuständen und anderen psychischen Beschwerden eingesetzt werden. |
Alzheimer | In Glycin umgewandeltes Threonin vermag die Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Daher könnte Threonin und Glycin in Zukunft eine größere Bedeutung bei der Behandlung von neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer zukommen. |
Amytrophische Lateralsklerose | Die Supplementation mit Threonin kann bei ALS-Patienten verschiedene Beschwerden lindern. So kann durch Threonin die Sprechweise und die Schluckfähigkeit verbessert werden, außerdem kommt es im Zuge der Supplementation zu weniger Ermüdungserscheinungen und spastischen Zuckungen. |
Häufige Fragen und wissenswertes
Was verbessert die Aufnahme von Threonin?
Eine ausreichende Versorgung mit Magnesium, Vitamin B3 und B6 ist nötig für eine geregelte Aufnahme von Threonin.
Was verschlechtert die Aufnahme von Threonin?
Ein Mangel an Magnesium, Vitamin B3 oder Vitamin B6 kann zu einer gestörten Aufnahme von Threonin führen.
Quellen
- Burgerstein, U., Schurgast, H., Zimmermann, M.: Handbuch Nährstoffe - Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung (2012), Trias Verlag (12. Auflage)
- http://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/aminosaeuren/392
- Hansen, S.: Die Entdeckung der proteinogenen Aminosäuren von 1805 in Paris bis 1935 in Illinois (2015), Berlin
- http://www.schallers-gesundheitsbriefe.de/archiv-der-gesundheitsbriefe/archiv-11/l-threonin-fuer-mehr-energie-in-zeiten-von-belastung/
- Hauser, S. L., Doolittle, T. H., Lopez-Bresnahan M., et al.: An Antispasticity Effect of Threonine in Multiple Sclerosis, Arch Neurol. (1992), 49(9):923-926
- Tian Q., Wang J.: Role of Serine/Threonine Protein Phosphatase in Alzheimer's Disease, Neurosignals (2002), 11:262-269