Selen und Selenmangel

Als organische Verbindung ist Selen ein essenzielles Spurenelement. Selen ist an sehr vielen lebenswichtigen Prozessen im Körper beteiligt. Viele hormonelle und immunrelevante Funktionen wären ohne Selen nicht möglich. Dabei liegt der tägliche Bedarf nur bei rund einem Milligramm.

Daher ist es nicht immer einfach, bestimmte Symptome als Folge eines Selenmangels auszumachen. 
Gewisse Lebensumstände und Krankheiten können einem Selenmangel hervorrufen. Genauso gut kann in Gegenden mit selenarmen Böden der Selenbedarf nicht ausreichend abgedeckt werden. 

Eine abwechslungsreiche und qualitativ hochwertige Ernährung kann bereits ausreichend für die Selenversorgung sein. Besteht ein erhöhter Bedarf an Selen oder gehören Sie zur Risikogruppe mit einer möglichen Mangelversorgung an Selen, informieren Sie sich vor einer möglichen Therapie gründlich über die Funktion, den Bedarf und die Darreichungsformen von Selen.

Funktion im Körper

Es ist erstaunlich an wie vielen Prozessen Selen im Körper mitwirkt. Dabei beträgt der Anteil von Selen im Körper gerade einmal 10 bis 20 Milligramm. Sechzig Prozent befinden sich in den Nieren, der Leber und der Muskulatur. Weitere 30 Prozent im Skelettsystem.

Der Körper speichert Selen im Gewebe und gibt es bei Bedarf frei. Überschüssiges Selen wird über die Ausscheidung und Atmung ausgeleitet. Im Körper geht Selen meistens Verbindungen mit Proteinen (Selenoproteine) ein, die dann spezielle Aufgaben erfüllen:

  • Zellschutz vor freien Radikalen als Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase
  • Aktivierung der Schilddrüsenhormone als Baustein des Enzyms Jodthyronin-Dejodase
  • Weitere selenhaltige Proteine sind an der Immunabwehr, an Entgiftungsprozessen und Entzündungsprozessen beteiligt

Selenmangel

Selenmangel kann durch eine Mangelversorgung oder durch bestimmte Funktionsstörungen im Körper entstehen. 

Andere Länder- andere Selenwerte
Deutschland, Finnland, Neuseeland und einige Teile von China gelten zum Beispiel als ausgewiesene Selenmangelgebiete. Hier wird dem Nutzvieh zum Ausgleich oftmals selenhaltiges Futtermittel zur Verfügung gestellt. In einigen selenarmen Gebieten wird sogar per Gesetz vorgeschrieben, die Düngemittel mit Selen anzureichern. In Venezuela, in den USA und in Thailand sieht es in Sachen Selengehalt weitaus besser aus.1

Ursachen 

in Selenmangel kann unterschiedliche Ursachen haben. Im Grunde sind es entweder eine Mangelversorgung mit dem Spurenelement oder die mangelnde Fähigkeit, Selen aufzunehmen oder zu verarbeiten.

Mangelversorgung (bei normalem und erhöhtem Bedarf)

  • regionale Gegebenheiten durch geologische Prozesse oder Auslaugung der Böden
  • Essstörungen, Diäten
  • einseitige Ernährung 
  • künstliche Ernährung
  • Dialyse
  • starke Blutungen
  • sehr lange Stillzeit
  • schwere Durchfälle
  • Alkoholismus
  • Schwermetallbelastung

Mangelnde Aufnahme

  • Maldigestion, Malabsorption: beeinträchtigte Nährstoffausnutzung durch Störungen im Verdauungstrakt
  • Nierenkrankheiten
  • Leberkrankheiten

Selenmangel Symptome

Über längere Zeit kann ein Selenmangel vom Körper nicht mehr kompensiert werden. Es kommt zu Symptomen, die allein allerdings nicht zwingend auf einen Selenmangel hindeuten müssen. Weitere Hinweise können bestimmte Lebensumstände oder die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe sein. Letztendlich wird eine Laboruntersuchung mit Sicherheit einen Selenmangel feststellen können.

Die ersten möglichen Symptome:

  • allgemeine Leistungsschwäche, Müdigkeit
  • Nagelveränderungen (Querrillen)
  • Hautveränderungen (trocken, schuppig)
  • Aufhellung der Haare
  • Schwächung des Abwehrsystems
  • Gelenkbeschwerden

Krankhafte Symptome aufgrund von Selenmangel

Die folgenden Krankheitsbilder sind keinesfalls sichere Hinweise auf einen Selenmangel, sondern lediglich mögliche Auswirkungen eines mehr oder weniger ausgeprägten Selenmangels. Viele andere Ursachen können in Frage kommen und müssen vor einer Therapie medizinisch abgeklärt werden: 

  • Anämie (Blutarmut)
  • verminderte Qualität des Spermas
  • Myopathie (Bewegungseinschränkungen)
  • Leberschädigungen
  • Herzmuskelstörungen
  • Augenkrankheiten (grauer Star)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern

Krankheiten aufgrund extremen Selenmangels:

  • Keshan-Krankheit (absterbende Herzmuskulatur: Herzschwäche)
  • Kaschin-Beck-Krankheit (Gelenkknorpeldegeneration)
  • myxödematöser endemischer Kretinismus (Schilddrüsenunterfunktion)

Selenmangel behandeln und vorbeugen

Wurde bei Ihnen anhand der Blutwerte ein Selenmangel festgestellt, wird mit entsprechenden Selen-Präparaten therapiert. 
Sie haben einen erhöhten Selenbedarf oder gehören zur Risikogruppe? Dann sollten Sie auf jeden Fall auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung achten. Bei Fleisch und Milchprodukten macht es Sinn, nach den Futtermitteln der Tiere zu fragen.

Selbstbehandlung

Eine Überdosierung von Selen kann genauso schädliche Auswirkungen haben, wie ein Mangel. Daher ist es nicht ratsam, sich auf Verdacht über längere Zeit mit freiverkäuflichen Selen-Präparaten zu therapieren. Haben Sie die Vermutung, dass Ihre Ernährung nicht ausreicht, um den Selenbedarf abzudecken? Dann achten Sie bei der Selbstbehandlung darauf, dass Sie

  • die als unbedenkliche, tägliche Höchstmenge von 30µg nicht überschreiten
  • zwischendurch längere Einnahmepausen einlegen

Selen-Darreichung

In Drogerien und Apotheken gibt es Selen als Nahrungsergänzungsmittel meist in Form von Kapseln. Der Selengehalt ist unterschiedlich, oft werden Kombipräparate mit anderen Spurenelementen und Vitaminen angeboten. Einige Präparate enthalten organisch gebundenes, andere anorganisch gebundenes Selen.

Organisch gebundenes Selen

  • meistens auf Bierhefebasis
  • geht wahllos Verbindungen mit Eiweißkörpern ein
  • wird daher nicht so gut vom Körper verwertet
  • eine Einnahme über längere Zeit ist nicht zu empfehlen

Anorganisch gebundenes Selen

  • meistens in Form von Natriumselenit
  • wird vom Körper direkt in die entsprechenden Selen-Eiweißverbindungen eingebaut
  • Ausscheidung bei Überdosierung

Wann Selen einnehmen?

  • Selen (organisch) kann mit dem Essen eingenommen werden
  • Selenit (anorganisch) am besten morgens nüchtern einnehmen
  • dabei eine Stunde Abstand zu Vitamin C-haltigen Nahrungsmitteln und anderen Mineralstoff- und Spurenelement-Nahrungsergänzungen einhalten

Täglicher Bedarf

Angaben über den täglichen Bedarf von Selen nach den Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2016):

Säuglinge

0 bis unter 4 Monate: 10µg
4 bis unter 12 Monate: 15µg

Kinder, Jugendliche

1 bis unter 4 Jahre: 15µg
4 bis unter 7 Jahre: 20µg
7 bis unter 10 Jahre: 30µg
19 bis unter 13 Jahre: 45µg
13 bis unter 15 Jahre: 60µg
15 bis unter 19 Jahre: 60 µg (Mädchen), 70µg (Jungen)

Erwachsene

Frauen: 60µg
Männer: 70µg

Schwangerschaft & Stillzeit

Schwangere: 60µg

Stillende: 70µg

Überdosierung

Wie bei den meisten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen müssen Sie eine Überdosierung durch natürliche, selenhaltige Lebensmitteln nicht befürchten. Anders sieht es bei einer Selbstbehandlung mit isolierten Selen-Nahrungsergänzungsmitteln aus. Bei einer erhöhten Einnahme über einen langen Zeitraum können folgende Symptome auftreten:

  • Atem riecht nach Knoblauch
  • Verdauungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Haarausfall
  • Zähne können anfälliger für Karies werden

Akute Vergiftung

Akute Vergiftungen durch Selen sind sehr selten. Bei einer Aufnahme von mehr als 5mg Selen innerhalb eines Tages kann es zu einer akuten Selenose kommen. 

Langzeit Überdosierung

Etwas häufiger bildet sich eine chronische Selenose durch eine dauerhaft zu hohe Einnahme von Selen. Die Symptome sind wieder eher unspezifisch:

  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen

Nebenwirkungen

Bei einer korrekten Dosierung sind keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt.
Bei Dosierungen über einen langen Zeitraum können als Nebenwirkungen auftreten:

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Haut-, Haar- und Nagelveränderung
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle an Händen und Füßen

Passende Produkte

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Risikogruppen Selen-Mangel

RisikogruppeBeschreibung
Frauen in den Wechseljahren

Das Spurenelement Selen, benannt nach der griechischen Mondgöttin Selene, fördert ebenfalls die Haargesundheit.

Sonstige

Alkoholkranke, Personen mit Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Eine geschädigte Leber oder Bauchspeicheldrüse kann nicht mehr im erforderlichen Maße wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aus der Nahrung verwerten.

Nierenkranke
Besonders Dialysepatienten wird die Reinigung des Blutes, unter anderem auch von Schwermetallen, künstlich vorgenommen. Dabei werden leider auch die lebensnotwendigen Spurenelemente ausgeleitet. 

Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt
Die Aufnahme von Selen aus der Nahrung ist dadurch vermindert oder gar nicht mehr möglich.

Essstörungen, einseitige Ernährung
Einseitige Ernährung oder stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme kann zu einer Mangelversorgung mit Selen führen.

Selen findet Anwendung bei

AnwendungsgebietBeschreibung
Immunschwäche

Viele immunaktive Enzyme enthalten Selen. Selen gilt daher als immunstimulierendes Spurenelement.

 
Infektionskrankheiten und Entzündungen

Selen vermindert die Schäden durch den sogenannten "oxidativen Stress". Dieser nimmt im Alter zu und daher wird angenommen, dass Selen vielen "Alterserscheinungen" wie Gelenkentzündungen und Arteriosklerose vorbeugen kann.

 
Schilddrüsenprobleme

Selenhaltige Enzyme sind maßgeblich am Auf- und Abbau der Schilddrüsenhormone beteiligt.

 

Häufige Fragen und wissenswertes

Was verbessert die Aufnahme?

Nahrungsmittel mit einem möglichst hohen Anteil an Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E fördern die Bioverfügbarkeit von Selen:

  • Innereien
  • Huhn
  • Möhren
  • Mangold
  • Salat
  • Chicorée
  • Camembert

Was verschlechtert die Aufnahme?

Ausschlaggebend sind die Herkunft und die Qualität der tierischen und pflanzlichen Produkte. Mit Sulfate gedüngte Gemüse weisen einen erheblich geringeren Anteil von Selen auf. Dementsprechend verschlechtern sulfathaltige Lebensmittel oder sulfatbelastete Naturprodukte die Selenaufnahme:

  • Lebensmittel mit vielen Zusatz- und Konservierungsstoffen
  • Lauchgemüse

Hilft Selen ergänzend bei Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wurde der günstige Einfluss von Selen festgestellt. Besonders die Entzündungsreaktionen gingen zurück und die Patienten fühlten sich besser. Eine Therapie mit Selen im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen muss aber immer ärztlich überwacht werden.

Selen Nebenwirkungen

Wer gesund ist und sich an die Dosierungsvorschriften hält, muss keine Nebenwirkungen befürchten. Im Zweifel besser Präparate mit anorganischem Selen verwenden. Selen, was vom Körper nicht direkt verwendet werden kann, wird ausgeschieden.

Ist eine Einnahme von Selen in der Schwangerschaft sinnvoll?

Mit einer Supplementierung durch Selen können das Immunsystem und die Arbeit der Schilddrüsenhormone sinnvoll unterstützt werden. Allerdings ist zuvor eine Bestimmung des Selenspiegels im Blut ratsam. 

Hilft Selen auch bei Haarausfall?

Haarausfall kann viele Ursachen haben. Besonders die Spurenelemente Zink, Folsäure, Eisen und Selen, sowie Calcium und B-Vitamine sind für das gesunde Haarwachstum wichtig. Bei einem ernsthaften Haarausfall ist es daher sinnvoll, vorab den Vitaminstatus im Blutserum bestimmen zu lassen, um möglichst effektiv therapieren zu können.

Selen-Werte, Diagnostik

Ein eindeutiger Selenmangel wird über eine labortechnische Untersuchung festgestellt. Dafür wird der Selengehalt im Blutplasma und Urin untersucht. Die Normwerte für Erwachsene:

  • im Blutserum: 74-139 µg/l
  • im Urin: 5 - 30 µg/l

Die Werte können je nach Lebensraum recht unterschiedlich ausfallen. In Deutschland liegt der durchschnittliche Blutserumwert bei ca. 60-80 µg/l.

Quellen

Burgerstein, U., Schurgast, H, Zimmermann, M: Handbuch Nährstoffe - Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung (2012), Trias Verlag (12. Auflage)

1https://de.wikipedia.org/wiki/Selenmangel