Vitamin B12 und Vitamin B12-Mangel

Es sind nur winzige Mengen, die der Körper an Vitamin B12, auch Cobalamin genannt, benötigt. An gut 100 Vorgängen im Körper spielt das Vitamin jedoch eine entscheidende Rolle. Ob für den Stoffwechsel, bei der Blutbildung oder für die Arbeit der Nervenzellen, Vitamin B12 wirkt mit.

Diese breit gestreuten Tätigkeitsfelder machen es nicht gerade leicht, einen Vitamin B12-Mangel zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Körper über einen relativ großen Vorrat an B12 verfügt. Bekommt der Körper, aus welchen Gründen auch immer, nicht genügend Vitamin B12, macht sich das oft erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar. 

Ein genauer Blick auf die Funktionen dieses Vitamins und auf die möglichen Symptome eines Cobalamin-Mangels zu erkennen, ist hilfreich. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, gegebenenfalls mit einer Nahrungsergänzung von B12, die Speicher wieder aufzufüllen, um größere Schäden rechtzeitig abzuwenden. 

Besonders Risikogruppen können durch eine vorbeugende Substitution mit Vitamin B12 einen Mangel vermeiden. Eine Fehl- oder Überdosierung ist nicht so schnell zu befürchten, da es sich um ein wasserlösliches Vitamin handelt. Wenn die Speicher im Gewebe und in der Leber aufgefüllt sind, wird überschüssiges Cobalamin über die Nieren ausgeschieden

Funktion im Körper

Um an den Funktionen im Körper mitwirken zu können, muss Vitamin B12 aus der Nahrung ins Blut gelangen. Dazu wird ein Transportmolekül benötigt, der Intrinsic-Faktor. Er schützt das Vitamin vor den Verdauungsenzymen und sorgt dafür, dass es letztendlich durch die Darmschleimhaut ins Blut gelangt. Der Intrinsic-Faktor wird von den Belegzellen des Magens gebildet.

Zellbildung, Zellwachstum 

Vitamin B12 wird für Herstellung der DNS (Erbsubstanz) in jeder neuen Zelle benötigt. Eigentlich wird es also in allen Körperzellen, die sich teilen, benötigt. Am größten ist der Bedarf bei den Zellen, die oft erneuert werden, bei den Blutzellen und den Zellen der Schleimhäute. 

Funktion des Nervensystems

Vitamin B12 ist am Aufbau der Schutzhüllen (Myelinscheiden) der Nervenverbindungen beteiligt. Ebenso am Zusammenbau der Botenstoffe und Hormone. Es ist somit wichtig für den reibungslosen Informationsfluss im Gehirn und für eine gesunde Psyche.

Entgiftung

Cobalamin ist unverzichtbar, wenn es darum geht, gefährliche Substanzen wie Homocystein, Cyanid und freie Radikale zu neutralisieren. Ein Übermaß an diesen Stoffen kann der Auslöser vieler unterschiedlicher, schwerwiegender Krankheiten sein.

Energiestoffwechsel

Für die reibungslose Arbeit der Mitochondrien (die Kraftwerke der Zellen) wird ebenfalls Vitamin B12 benötigt. Es ist dort an der Produktion des ATP (Adenosintriphosphat) beteiligt. Ein Stoff, der universell und sofort Energie verfügbar macht. 

Vitamin B12-Mangel

Hauptsächlich in der Leber, aber auch im Gehirn und in der Herz- und Skelettmuskulatur wird Vitamin B12 gespeichert. Wenn keine neue Aufnahme erfolgt, wären die Speicher nach ungefähr drei Jahren ausgeschöpft. Ein Mangel entsteht entweder durch unzureichende Aufnahme von Vitamin B12 durch die Nahrung oder durch eine gestörte Aufnahmefähigkeit. 

Eine einseitige und stark reduzierte Ernährung kann auf Dauer auch die Vitamin B12 Depots leeren. Weitaus häufiger kommt es vor, dass die Aufnahme von Vitamin B12 gestört ist. Denn es benötigt den Intrinsic-Faktor in seiner Schlüsselrolle als schützender Transport vom Darm in den Blutkreislauf. Nur ein gesunder Magen-Darmtrakt kann dies gewährleisten.

Ursachen

Die Ursachen für einen Vitamin B12-Mangel hängen demnach oft mit der Ernährung und der Lebensweise zusammen. 
Eine ungesunde Lebensweise, die ständige Aufnahme von (Genuss)Giften, minderwertige Nahrung und Stress verursachen auf Dauer Krankheiten. Häufig ist der Magen- Darmtrakt betroffen. Das sensible Milieu ist dann gestört und Vitamin B12 wird nur noch unzureichend oder gar nicht aufgenommen. Dafür kommen folgende Faktoren als Ursache in Frage:

  • chronische Gastritis
  • Magen(teil)resektion
  • Morbus Crohn
  • Medikamenteneinnahme (z. B. Protonenpumpenhemmer, H2-Antihistaminikum)
  • chronischer Alkoholmissbrauch
  • Fischbandwurmbefall
  • Bauchspeicheldrüsenkrankheiten
  • Immerl-und-Gärsbeck-Syndrom (vererbte Störung der Resorption von B12 im Dünndarm)

Auch ein erhöhter Bedarf und eine zu geringe Aufnahme an Vitamin B12 können ursächlich sein:

  • chronische Krankheiten (erhöhter Bedarf)
  • streng vegetarische oder vegane Ernährung von geringer Nährstoffqualität (geringe Aufnahme)

Vitamin B12-Mangel Symptome

Wenn Sie erste Symptome eines möglichen B12-Mangels bei sich feststellen, besteht bereits dringender Handlungsbedarf. Die meisten Symptome sind jedoch wenig spezifisch. Ein Blick auf die Ursachen oder auch Risikogruppen ist daher hilfreich. Eine Bestimmung des Vitamin B12-Status kann, besonders bei Risikopersonen, zusätzlich Sicherheit geben.

  • Blutarmut (Blässe, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen)
  • Empfindungsstörungen an den Extremitäten
  • Gedächtnisstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Zungenbrennen
  • Schwindel
  • erhöhte Anfälligkeit für Infektionen
  • Übelkeit, Erbrechen

Vitamin B12 Mangel behandeln und vorbeugen

Die Behandlung eines Vitamin B12-Mangels besteht darin, möglichst schnell alle Speicher mit Vitamin B12 aufzufüllen. Gleichzeitig muss die Behandlung der Ursachen erfolgen. Je nach Ursache und Dringlichkeit können Sie Vitamin B12 in Form von Kapseln, als Nahrungsergänzungsmittel, oder als intramuskuläre Injektion aufnehmen. Zur Vorbeugung reicht die orale Gabe von B12. 

Selbstbehandlung

Eine Selbstbehandlung mit Vitamin B12 beschränkt sich auf die orale Gabe von Vitamin B12. Wenn Sie das Gefühl haben, aufgrund ihrer Lebensweise oder körperlichen Verfassung zu wenig Vitamin B12 aufzunehmen, können Sie mit einer B12 Nahrungsergänzung auf Basis von Cyanocobalamin, Methylcobalamin oder Hydroxycobalamin zurückgreifen. Gibt es jedoch begründete, besonders neuronale, erste Anzeichen für einen Vitamin B12-Mangel, sollten Sie dies unverzüglich medizinisch abklären lassen. Im Grundsatz gilt für Vitamin B12: Vorbeugen ist besser als heilen.

Vitamin B12-Präparate

Für eine vorbeugende und therapeutische Behandlung mit Vitamin B12 gibt es unterschiedliche Darreichungsformen.

Vitamin B12-Tabletten, -Lutschtabletten & -Kapseln
Wofür Sie sich letztendlich entscheiden, ist „Geschmacksache“. Wichtig ist, möglichst Präparate mit den natürlichen Formen des Wirkstoffes auszuwählen (Hydroxocobalamin und Methlycobalamin). Diese können besser vom Körper aufgenommen werden. Auch bei der Dosierung gibt es große Unterschiede. Eine gute Wahl liegt im Normalfall bei 250µ bis 500µg. Am besten ein Mittel wählen, dass möglichst frei von Zusatzstoffen ist.

Vitamin B12-Spritzen
Bei völlig leeren Depots oder starker Aufnahmestörung von Vitamin B12 macht eine intramuskuläre Injektion Sinn. Je nach Bedarf wird einmal wöchentlich oder monatlich eine Injektion ins Muskelfleisch gespritzt. Der Wirkstoff besteht meistens aus Hydroxycobalamin in einer Dosierung von um die 1000µg. 

Vitamin B12-Trinkampullen
Trinkampullen sind für einige Personen leichter einzunehmen als Tabletten. Die Vitamine werden sublingual über die Schleimhaut schneller aufgenommen. In der Verfügbarkeit des darin enthaltenen Vitamin B12 gibt es jedoch keinerlei Vorteile gegenüber Kapseln oder Tabletten.

Überdosierung

Im Normalfall gibt es bei einer Überdosierung von Vitamin B12 nichts zu befürchten. Das überschüssige, wasserlösliche Vitamin wird wieder ausgeschieden. Daher ist es wichtig, besonders bei einem profunden Mangel, das Vitamin über den Tag verteilt aufzunehmen. Oft werden zu therapeutischen Zwecken sehr hohe Dosen über Tabletten oder Injektionen verabreicht, um eine möglichst rasche Aufladung der B12- Speicher zu erreichen.
Ganz selten kann es, meistens bei Injektionen, lokal zu allergischen Reaktionen auf der Haut kommen.

Täglicher Bedarf

Angaben nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE):

Säuglinge

0 bis 4 Monate: 0,4 µg
4 bis 12 Monate: 0,8 µg

Kinder

1 bis 4 Jahre: 1,0 µg
4 bis 7 Jahre: 1,5 µg
7 bis 10 Jahre: 1,8 µg
10 bis 13 Jahre: 2,0 µg
13 bis 15 Jahre: 3,0 µg 

Jugendliche/ Erwachsene

15 bis 19 Jahre: 3,0 µg
19 bis 25 Jahre: 3,0 µg
25 bis 51 Jahre: 3,0 µg 
51 bis 65 Jahre: 3,0 µg 
über 65 Jahre: 3,0 µg

Schwangere

3,5 µg

Stillende

4,0 µg

Passende Produkte

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Lutschtabletten B12 Lutschtabletten mit Zitronengeschmack, 100 Stück
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Risikogruppen Vitamin B12-Mangel

RisikogruppeBeschreibung
Schwangere & Stillende

Viele neue Zellen werden benötigt, in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Säuglingen. Gerade im Bereich Zellvermehrung, Energie und neuronaler Arbeit besteht ein erhöhter Bedarf an Vitamin B12.

Raucher

Raucher leiden oft an einem Mangel an B-Vitaminen, da hier der Abbau beschleunigt ist.

Vegetarier & Veganer

Es gibt viele kontroverse Meinungen darüber, ob es bei einer rein veganen Ernährung mit der Zeit zu einer Schädigung durch Vitamin B12-Mangel kommen kann. Sicher ist, dass eine vegane/vegetarische Ernährung bei einer gleichzeitig qualitativ schlechten Nahrungsauswahl zu einem Mangel führen kann.

Senioren

Meistens ist es die nachlassende Fähigkeit, Vitamin B12 durch die Darmschleimhaut in das Blut aufzunehmen. Weiter zeichnet sich die vermehrte Anfälligkeit für chronische Gastritis im Alter für einen B12-Mangel verantwortlich. Es steht weniger Magensäure zur Verfügung, um das Vitamin aus der Nahrung herauszulösen. Auch der Intrinsic-Faktor wird dann von den Belegzellen oft nicht mehr genügend gebildet.

Chronisch Erkrankte

Hier ist es der erhöhte Bedarf, der durch die ständigen "Reparaturen", die der Körper bei chronischen Krankheiten zu leisten hat, entsteht. 

Vitamin B12 findet Anwendung bei

AnwendungsgebietBeschreibung
Depressive Verstimmungen

Es gibt aktuelle Untersuchungen, die aufzeigen, dass die Einnahme von B12 dabei hilft, depressive Stimmungslagen abzumildern. B12-Gaben sollen auch als Unterstützung zur Einnahme von Antidepressiva geeignet sein. So stellte man fest, dass Personen mit einer zusätzlichen Einnahme von Vitamin B12 besser auf diese Medikamente reagieren.

 
Demenz

Es gibt jede Menge Ursachen für Nervenschädigungen, von Missempfindungen (Neuropathien) bis zur Demenz. Bei ersten Anzeichen neuronaler Störung kann eine Gabe von Vitamin B12 auf keinen Fall schaden. Nur in den ersten Monaten lassen sich diese Schäden noch gut behandeln, sie sind danach sehr schnell irreversibel.

 
Müdigkeit

Die Ausbildung der Blutkörperchen kann nicht nur durch Eisenmangel, sondern auch durch einem B12 Mangel gestört werden. Dies führt zur allgemeinen Leistungs- und Immunschwäche. Rechtzeitig erkannt, lässt sich dieser Blutmangel (Megaloblastäre Anämie) sehr schnell durch entsprechende Gaben von Vitamin B12 beheben.

 

Häufige Fragen und wissenswertes

Was verbessert die Aufnahme von Vitamin B12?

Die beste Voraussetzung ist ein gesunder Magen-Darmtrakt. In seiner Arbeit beim Abbau schädlicher Stoffe (z. B. Homocystein) benötigt B12 die Mitarbeit von Folsäure und anders herum. Eine gleichzeitige zusätzliche Einnahme dieser beiden Stoffe kann hier sinnvoll sein.

Was verschlechtert die Aufnahme von Vitamin B12?

  • Alkohol, Nikotin
  • Säurehemmer
  • N2O (Di-Stickstoff-Oxid, auch: Lachgas)
  • hohe Dosen Vitamin C
  • Diabetes-Medizin (Metformin)
  • Blutdrucksenker (ACE)
  • Aspirin
  • Antibabypille
  • Cholesterinsenker (Statine)

Vitamin B12-Test

Zur Zeit gibt es drei geläufige Verfahren:

  • Serum Test: Der Gesamt-B12-Spiegel im Blut wird getestet. Die Werte haben jedoch nur eine geringe Aussagekraft.
  • Holo-TC-Test: Misst bioverfügbares, an Transcobalamin gebundenes B12 im Blut. Dieser Test gilt als der genaueste Test.
  • Homocystein-Test: Ein erhöhter Homocystein-Spiegel im Blut kann auch andere Ursachen haben als einen B12 Mangel.

Es gibt auch einen Urintest. Im Ergebnis könnte dabei ein erhöhter Wert der Methylmalon-Säure auf einem B12-Mangel hindeuten. Am aussagekräftigsten ist eine Kombination aus Holo-TC (erniedrigte Werte) und einem Homocystein- oder Urintest.

Vitamin B12 in der Schwangerschaft

Vitamin B12 ist, genau wie Folsäure, von großer Bedeutung für die Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Ein Mangel an diesen beiden Stoffen kann, besonders im neuronalen Bereich, irreversible Schäden beim Kind verursachen. Eine kombinierte Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel ist in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit sinnvoll. Vor der Anwendung sollte eine ärztliche Rücksprache erfolgen

Quellen

Burgerstein, U., Schurgast, H, Zimmermann, M: Handbuch Nährstoffe - Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung (2012), Trias Verlag (12. Auflage)
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b12/
http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8160
http://www.aerzteblatt.de/archiv/61696
http://flexikon.doccheck.com/de/Cobalamin
http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1640196
http://www.vitamin-b12-mangel.org/