Blutzuckerspiegel senken - mit Knoblauch

Hohe Blutzuckerspiegel als Risiko

Knoblauchzehen und Knolle
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Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Gefäße. Deshalb führt die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, zu Folgeschäden wie Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung, verminderter Nierenfunktion und dem diabetischen Fuß (chronische, schlecht heilende Hautverletzungen am Fuß sowie verringertes Berührungs- und Schmerzempfinden aufgrund von Nervenschädigung). Diabetes mellitus ist in der westlichen Welt zu einer Volkskrankheit geworden. Neben der medikamentösen Therapie besteht beim Typ 2 Diabetes zu Beginn der Erkrankung noch die Möglichkeit, mit der richtigen Diät und körperlicher Aktivität den Blutzuckerspiegel zu senken. Unterstützend dabei kann Knoblauch wirken, wie eine Meta-Analyse herausfand.

Knoblauch als Hausmittel

Er ist bekannt dafür, etlichen Gerichten die markante Würze zu verleihen - und berüchtigt für seinen Geruch. Aber Knoblauch gehört auch zu den meistverwendeten Naturheilmitteln, sein Inhaltsstoff mit der besten heilenden Wirkung ist vermutlich das Allicin. Bereits in der Antike wurde Knoblauch als Stärkungsmittel und in der Behandlung von Bisswunden, Darmparasiten, Lungenleiden und Haarausfall verwendet. Im Mittelalter wurde er als kraftvolles Liebes-Mittel von Kräuterfrauen und "Hexen" verkauft. Heutzutage wird er insbesondere aufgrund seiner gesundheitsfördernden Wirkung auf die Blutgefäße eingesetzt.
Der Knoblauch-Zwiebel wird nachgesagt, dass sie das Krebsrisiko für Darm und Prostata senkt, die Durchblutung im Intimbereich und damit die Liebeslust und -kraft fördert, Cholesterinspiegel verbessert, das Schlaganfallrisiko vermindert und gegen Erkältungen hilft. Außerdem soll der Verzehr von Knoblauch die Stimmung heben.
Eine Meta-Analyse aus China hat Studien über die Wirkung von Knoblauch auf den Blutzuckerspiegel untersucht. In einer solchen Analyse gewinnt man aus mehreren kleineren Studien ein Ergebnis mit größerer Aussagekraft.

Die Ergebnisse der Meta-Analyse

Aus über 1000 Studien wurden die sieben aussagekräftigsten ausgewählt und in ihrer Gesamtheit analysiert. Das Ergebnis erschien 2015 im Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition: Knoblauch senkt den Fasting Blood Glucose (FBG) level, den Nüchtern-Blutzucker-Wert. Die Wirkung ist ausgeprägter, wenn Knoblauch für längere Zeit regelmäßig verzehrt wird. Des Weiteren ist der Effekt bei Diabetikern mit hohen Nüchtern-Blutzucker-Werten größer. Asiaten scheinen von Knoblauch mehr zu profitieren als andere Bevölkerungsgruppen.
Die Forscher setzten sich außerdem damit auseinander, ob Knoblauch den Blutzuckerspiegel bis zur Unterzuckerung absenken könne. Die Tierversuche, die miteinander verglichen wurden, ließen aber keine Aussage darüber treffen, ob Unterzuckerungen allein auf Knoblauch zurückzuführen seien.
Es ist zu vermuten, dass der regelmäßige Verzehr und die dadurch erfolgende Senkung der Nüchtern-Blutzucker-Werte auch den HbA1c senkt. Der HbA1c ist ein Wert dafür, wie viele rote Blutkörperchen im Blut durch Zuckermoleküle verändert wurden. Da rote Blutkörperchen eine Lebenszeit von etwa drei Monaten haben, lässt sich so überprüfen wie gut der Diabetiker in diesem Zeitraum eingestellt war. Ziel ist ein HbA1c unter 7 %. Um sichere Aussagen über den Einfluss von Knoblauch auf den HbA1c zu treffen, bedarf es aber noch weiterer Forschung.
Das Original-Paper finden Sie hier: http://apjcn.nhri.org.tw/server/APJCN/24/4/575.pdf

Natur oder Kapseln, Dragees, Pulver und Tabletten?

Die Meta-Analyse beinhaltet Studien, die ihren Patienten Knoblauch in unterschiedlichen Formen verabreicht haben. Ein Vergleich zwischen Knoblauch-Extrakt, Öl, Pulver und Tabletten war aber nicht möglich, da die Dosierungen und Konzentrationen zwischen den Einzelstudien sehr verschieden waren. Der Vorteil von Knoblauch-Präparaten ist das Ausbleiben des für manche unangenehmen Mundgeruchs. Nachteil könnte der geringere verfügbare Gehalt an Wirkstoffen sein. Wer nicht jeden Tag ein mit Knoblauch gewürztes Gericht zu sich nehmen möchte, dem sind die Präparate sehr zu empfehlen.

Hausmittel gegen den Mundgeruch

Um den Mundgeruch nach dem Verzehr von Knoblauch zu neutralisieren, kann Petersilie oder Majoran und Kümmel gekaut oder ein Glas warme Milch getrunken werden. Alternativ kann das Kauen von Pfefferminzkaugummi versucht werden. Andere bevorzugen Ingwerbonbons gegen die "Knoblauch-Fahne". Ganz unterdrücken lässt sich der Geruch nach Knoblauch aber nicht, da die Inhaltsstoffe sowohl über die Lunge als auch über die Haut an die Umwelt abgegeben werden.

Wer sollte nicht auf Knoblauch setzen?

Knoblauch ist nicht zur alleinigen Therapie bei Diabetes mellitus Typ 1 geeignet - die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht hier in der Verabreichung von Insulin!
Weiterhin hat Knoblauch eine starke Wirkung auf den Darm. Er befreit allerdings nicht jeden von Blähungen und Durchfall - bei manchen löst der Verzehr von Knoblauch Magenkrämpfe aus. Davon betroffene sollten besser auf Knoblauch verzichten.

Wundermittel gegen (fast) alles?

Auch wenn viele positive Wirkungen von Knoblauch mittlerweile wissenschaftlich belegt sind - der alleinige Verzehr von einer Knoblauch-Zehe pro Tag ersetzt keine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Es ist sicherlich lohnenswert, das Gewürz häufiger zu verwenden, dabei sollte aber auch auf die Menge und den Nährstoffgehalt der Nahrung geachtet werden. Sport senkt ebenfalls den Blutzuckerspiegel und gilt als Schutzfaktor gegenüber manchen Krebs-Formen.

Quellen

http://apjcn.nhri.org.tw/server/APJCN/24/4/575.pdf
Miamed: AMBOSS-Bibliothek für Medizinstudenten und Ärzte

Autor/-in:

Viola Kristina BrĂĽggemann

Ich bin eine 24-jährige Studentin der Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit Jahren interessiere ich mich für Ernährung und habe lange rein vegetarisch sowie ein Jahr vegan gelebt. Mittlerweile bin ich „omnivor“, also ein „Allesfresser“ und verfolge neugierig die sich stetig wandelnden Trends und Empfehlungen für eine gesunde Ernährung.