Zwei neue Kandidaten im Kampf gegen Übergewicht! - Spirulina und Cordia

Übergewicht: eine "Epidemie"

Statistiken des Robert-Koch-Instituts besagen, dass zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig sind. Rund ein Viertel aller Deutschen ist sogar stark übergewichtig (adipös). Von Übergewicht spricht man ab einem BMI (= Body Mass Index) von 25 kg/m². Als Adipositas wird ein Übergewicht oberhalb eines BMI von 30 kg/m² bezeichnet. Der BMI berechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat.

Ein Beispiel: Eine Person ist 1,75 m groß und wiegt 81 kg. 81 kg/(1,75 m)² = 26,45 kg/m². Die Person in unserem Beispiel wäre somit leicht übergewichtig.
Die Ursache dieser "Epidemie" (Francischi et al., 2000; sowie Flier und Maratos-Flier, 2013) liegt meist im westlichen Lebensstil, bestehend aus hochkalorischer Kost und wenig Bewegung. Aber auch die Essstörung Binge-Eating-Disorder (Esssucht) führt zu Übergewicht. Gelegentlich tragen Medikamente wie Glukokortikoide, Neuroleptika (Antipsychotika) und Medikamente zur Behandlung der Zuckerkrankheit ("Insulin-Mast") zur Entwicklung von Übergewicht bei. Manchmal liegen Grunderkrankungen wie ein Cushing-Syndrom durch eine Überfunktion der Nebennierenrinde oder Kortikoide produzierende Tumore, Leptin-Resistenz oder Störungen der Resistin- oder Adiponektin-Homöostase als Auslöser vor. Schätzungsweise sind aber nur etwa drei Prozent der Fälle von Übergewicht genetisch zu begründen.

Übergewicht ist ein Risikofaktor für Krebs!

Die möglichen Folge-Erkrankungen von Übergewicht sind vielfältig: Das Risiko für Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, Lungen- und Leber-Erkrankungen steigt drastisch an. Darüber hinaus erhöht Übergewicht auch das Risiko an Krebs zu erkranken. Der Krebs kann sich dabei aus vielen Organen entwickeln wie Magen, Leber und Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Eierstöcke, Gebärmutter und Gebärmutterhals. Im Jahr 2013 gab es allein in den Vereinigten Staaten von Amerika rund 97.000 Todesfälle durch Übergewicht-assoziierten Krebs.

Medikamente zum Abnehmen

Spirulina Algen Pulver
Spirulina Algen Pulver - © baibaz / Fotolia

Ab einem BMI von 27 kg/m² ist zusätzlich zu kalorienreduzierter Diät und körperlicher Aktivität eine unterstützende medikamentöse Therapie angezeigt. Bislang sind allerdings nur wenige Mittel auf dem Markt. Ein wirksamer Vertreter, das Sibutramin ("Reductil"), wurde 2010 in Deutschland vom Markt genommen, da es bedrohliche Nebenwirkungen auf das Herz hatte. Auch andere Abnehm-Mittel zeigen deutliche Nebenwirkungen. Neben Herz-Rhythmus-Störungen gehören Unruhe, Benommenheit und Magen-Darm-Beschwerden zu den häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
Die Nachfrage nach Medikamenten, die bei der Gewichtsreduktion helfen, ist groß. Darum wurden zwei Kandidaten, Spirulina und Cordia, in einer Studie auf ihr Potenzial untersucht.

Die Befürchtung: Krebs auslösend?

Zu Beginn stand die Frage im Raum, ob Cordia möglicherweise krebsauslösend sei. Aus diesem Grund führte man Tests mit Cordia als alleinigem Wirkstoff und einer Kombination von Cordia mit Spirulina durch, da Spirulina nachgesagt wird, das Krebsrisiko zu vermindern. Die Versuche wurden an Mäusen und isolierten menschlichen Zellen durchgeführt.

Spirulina (Spirulina maxima)

Spirulina, in der Studie Spirulina maxima, ist ein Zyanobakterium aus stark alkalischen Salzseen. Im Volksmund wird sie auch als "Blaualge" bezeichnet. Als Nahrungsergänzungsmittel erfreut sich Spirulina großer Beliebtheit, da sie reich ist an Vitamin B1,Vitamin B2,Vitamin B6,Vitamin B7, Vitamin B9, Vitamin E, zu etwa zwei Dritteln aus Eiweiß besteht und ein guter Lieferant für Eisen, Kalium und Magnesium ist. Ihr werden diverse positive Wirkungen auf den menschlichen Körper zugeschrieben, darunter auch eine Verminderung des Risikos, Krebs zu entwickeln.

Cordia (Cordia ecalyculata)

Cordia ecalyculata ist eine Pflanze aus Brasilien, wo sie auch als harntreibendes und Appetit-senkendes Mittel verkauft wird. Das Raublattgewächs gedeiht ebenfalls im Regenwald von Argentinien und Paraguay. Die Pflanze enthält unter anderem Koffein, Kalium, Allantoinsäure und Allantoin. Im 16. Jahrhundert wurde das Gewächs von zwei deutschen Medizinern und Botanikern, Euricius Cordus und dessen Sohn Valerius Cordus, entdeckt und nach ihren Entdeckern benannt.
Die Inhaltsstoffe der Pflanze dämpfen das Hungergefühl - deshalb wurde sie als Wirkstoff einer Abnehm-Pille in Erwägung gezogen.

Die Studie aus Brasilien

Für die Studie wurden 80 Mäuse, davon 40 Weibchen und 40 Männchen, mit Cordia oder mit der Kombination aus Cordia und Spirulina behandelt. Die Menge des Wirkstoffs wurde dabei variiert. Es stellte sich heraus, dass alle Mäuse in Abhängigkeit von der Dosis signifikant an Gewicht verloren. Das Kombinations-Präparat führte dabei zu einer stärkeren Gewichtsreduktion, insbesondere bei weiblichen Mäusen. Es wird vermutet, dass weibliche Hormone bezüglich des schlechteren Ansprechens auf Cordia als Einzelpräparat eine Rolle spielen.
Um die Wirkung auf das menschliche Erbgut zu testen und somit das Krebsrisiko zu bestimmen, wurden menschliche Zellen mit Cordia und dem Kombinations-Präparat behandelt. Nach Ende der Behandlung war keine krebsfördernde Wirkung festzustellen - im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass das Kombinations-Präparat sogar das Krebsrisiko vermindert!
Die Originalstudie, veröffentlicht im Online Journal: Genetics and Molecular Research (GMR), ist hier zu finden: http://www.geneticsmr.com//year2014/vol13-3/pdf/gmr4161.pdf

Neue Hoffnung im Kampf gegen Übergewicht

Der Wirkstoff des Cordia-Extraktes bindet im Gehirn an Adenosin-Rezeptoren, wodurch sich der Adrenalin-Spiegel im Gehirn erhöht. Das vermindert das Hungergefühl und hilft so beim Abnehmen. Spirulina zeigt durch ihren hohen Anteil an Protein ein verbessertes Blutzuckerprofil. Eiweiß lässt den Insulinspiegel weniger stark ansteigen als Kohlenhydrate, sodass auch der Abfall des Insulinspiegels weniger stark ausfällt. Ein starker Abfall würde zu Heißhungerattacken führen.
In Kombination mit einer Veränderung des Lebensstils, Ernährungsberatung und sportlicher Aktivität könnte ein Medikament aus Cordia und Spirulina eine hervorragende Unterstützung bei der Gewichtsreduktion bieten.
Medikamente allein sind zur Reduktion von Übergewicht nicht geeignet, sondern müssen mit entsprechender Diät und Sport gemeinsam eingesetzt werden! Viele Krankenhäuser bieten mittlerweile auch etablierte Kurse zur Behandlung der Adipositas an. Ein Hausarzt kann in der Therapie von Übergewicht ein erster Ratgeber sein und das weitere Vorgehen zusammen mit dem Patienten planen.

Quellen:
http://www.geneticsmr.com//year2014/vol13-3/pdf/gmr4161.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Kordien
https://de.wikipedia.org/wiki/Spirulina
http://www.algaebase.org/search/genus/detail/?genus_id=43080
Miamed AMBOSS Bibliothek für Ärzte und Medizinstudenten
http://flexikon.doccheck.com/de/Adipositas
http://flexikon.doccheck.com/de/Sibutramin
http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Uebergewicht_Adipositas/Uebergewicht_Adipositas_node.html
Übergewicht ist eine "Epidemie": Francischi et al., 2000, Flier und Maratos-Flier, 2013

Autor/-in:

Viola Kristina BrĂĽggemann

Ich bin eine 24-jährige Studentin der Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit Jahren interessiere ich mich für Ernährung und habe lange rein vegetarisch sowie ein Jahr vegan gelebt. Mittlerweile bin ich „omnivor“, also ein „Allesfresser“ und verfolge neugierig die sich stetig wandelnden Trends und Empfehlungen für eine gesunde Ernährung.