Vitamin B6 und Vitamin B6-Mangel

Vitamin B6, auch als Pyridoxin bekannt, steht unter den vielen prominenten Vitaminen eher etwas im Hintergrund. Dabei ist es maßgeblich an fast allen Stoffwechselprozessen beteiligt. Der Körper speichert nur geringe Mengen. Die Vorräte müssen regelmäßig durch die Nahrung aufgefüllt werden.

Ein Mangel an Vitamin B6 macht sich daher recht schnell bemerkbar und kann auf Dauer erhebliche Schädigungen verursachen. Ob es um die Neurotransmitter im Gehirn, die roten Blutkörperchen im Blut oder um die Umwandlung der Nährstoffe geht: Vitamin B6 muss dabei sein.

Gehören sie zur Risikogruppe? Vielleicht aufgrund Ihrer Ernährungsform? Besteht bereits ein Mangel in den Vitamin B6 Depots? Wie können Sie einem Mangel vorbeugen oder ausgleichen? Informationen über die Funktion von Pyridoxin, die ersten Symptome und häufigsten Ursachen für Vitamin B6 Mangel geben wertvolle Hinweise.

Funktion im Körper

Den größten Einsatz hat Vitamin B6 überall dort, wo es darum geht, die sogenannten Makronährstoffe für den Körper weiter zu verarbeiten. Es ist am Zusammenbau von Bau-Proteinen, Enzymen und Neurotransmittern ebenso beteiligt, wie an der Sauerstoffversorgung durch das Blut. 

Ein großes Aufgabengebiet dafür, dass der Körper gerade einmal 150mg Vitamin B6 als Vorrat speichern kann. Alle Funktionen, an denen Vitamin B6 im Körper mitwirkt, benötigen noch viele weitere Verbindungen und Stoffe, um letztendlich die jeweiligen Aufgaben zu erledigen.

Stoffwechsel

Aus der täglichen Nahrung müssen die drei Nährstoffe Kohlenhydrate, Proteine und Fette entsprechend "zerlegt" werden (Katabolismus). Daraus folgt der Aufbau (Anabolismus) von Verbindungen gemäß Bauplan (Erbinformation), um den Körper am Leben zu erhalten. Vitamin B6 ist in der Hauptsache an den aufbauenden Prozessen beteiligt. 

Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels

In Zeiten, in denen Sie nichts essen, muss dennoch der Blutzuckerspiegel auf einem arbeitsfähigen Level gehalten werden. Vitamin B6 sorgt in den "Esspausen" dafür, dass immer ausreichend Glukose aus den Protein- und Kohlenhydratspeichern im Blut zur Verfügung steht.

Fettstoffwechsel

Vitamin B6 ist maßgeblich am Aufbau der Myelinscheiden der Nervenzellen beteiligt. Nur so funktioniert eine reibungslose, schnelle Datenverarbeitung zwischen den Nervenzellen.

Aufbau bestimmter Proteine

Kollagen ist ein überall benötigtes Bau-Protein, hauptsächlich für das Bindegewebe (Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder) und die Haut.

Aufbau von Neurotransmittern

In der Hauptsache ist es am Zusammenbau der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin beteiligt. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass diese Neurotransmitter für die Regelung des Herz-Kreislaufsystems und der Gefäßarbeit wichtig sind.

Vitamin B6 Mangel

Allein aus den Funktionen können Sie schon ableiten, wo sich überall im Körper ein Mangel an Vitamin B6 bemerkbar machen kann. Das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Bausteine im Körper macht es allerdings nicht immer einfach, von bestimmten Symptomen zweifelsfrei auf die Ursache Vitamin B6 Mangel zu schließen. 

Ursachen

Bestimmte Lebensweisen und (chronische) Erkrankungen können einen Vitamin B6 Mangel verursachen. Ein Vitamin B6 Mangel entsteht durch:

  • eine Mangelversorgung
  • erhöhten Bedarf

Mangelversorgung

Ernährung
Essen Sie viel und gerne Fleisch oder sind ein Anhänger der Steinzeiternährung (Paleo-Diät)? Dann kann es durchaus sein, dass Sie einen erhöhten Bedarf an Vitamin B6 haben. Um das mengenmäßig hohe Eiweißangebot dem Körper funktionsgerecht zur Verfügung zu stellen, wird viel Vitamin B6 benötigt.

Verdauungsstörungen, Lebererkrankungen
Fast alle Krankheiten des Magen-Darmtraktes und der Leber können in der Folge zu einer Störung der Aufnahme und Weiterverarbeitung von Vitamin B6 führen.

Erhöhter Bedarf

  • bei Heranwachsenden (besonders schnelles Wachstum)
  • in der Schwangerschaft
  • in der Stillzeit
  • Ein- und Aufnahme von Giften (Nikotin, Alkohol, Medikamente)
  • hohes Alter (nachlassende Fähigkeit, die benötigten Stoffe aus der Nahrung ab- und wieder aufzubauen)

Vitamin B6-Mangel Symptome

Bei einem Vitamin B6-Mangel können folgende Symptome auftreten:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall
  • Hautentzündungen
  • übermäßige Talgproduktion im T-Bereich des Gesichtes
  • oberflächliche Lippen- und Zungenauffälligkeiten
  • Blutarmut (Anämien)
  • Wachstumsstörungen
  • Missempfindungen, Muskelzuckungen
  • Koordinations- und Empfindungsstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • Schlafstörungen
  • Angststörungen

Vitamin B6-Mangel behandeln und vorbeugen

Ein isolierter Vitamin B6 Mangel ist schwer zu diagnostizieren. Meistens werden Teile oder der ganze Vitamin-B-Komplex nicht hinreichend abgedeckt. Bei einigen Ursachen, wie chronische Magen-Darm-Krankheiten und einseitige Diäten, herrscht in der Regel auch ein Mangel an anderen Vitaminen und Mineralien.

Selbstbehandlung

Auch beim Vitamin B6 besteht die beste Selbstbehandlung und Vorbeugung in einer abwechslungsreichen, möglichst natürlichen Ernährungsweise. Eine Selbstbehandlung mit zusätzlichem Vitamin B6 (Vitamin-B-Komplex) Präparaten kann in der Schwangerschaft, bei bestimmten Hauterscheinungen oder bei Reiseübelkeit durchaus Sinn machen. 
Wenn Sie Vitamin B6 über längere Zeit einnehmen wollen, ist auf jeden Fall eine fachärztliche Beratung sinnvoll. 

Überdosierung

Zu einer Überdosierung von Vitamin B6 kommt es nur selten. In einzelnen Fällen, bei hohen Gaben von isoliertem Vitamin B6 (>300 mg/Tag) über längere Zeit, kann es zu Störungen im Bereich der sensiblen Nerven (Empfindungsstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühl) kommen. Vitamin B6 wird bei Überdosierung nicht so schnell abgebaut wie andere B-Vitamine. 

Täglicher Bedarf

Angaben nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE):

Säuglinge

0 bis 4 Monate: 0,1mg
4 bis 12 Monate: 0,3mg

Kinder

1 bis 4 Jahre: 0,4mg
4 bis 7 Jahre: 0,5mg
7 bis 10 Jahre: 0,7mg
10 bis 13 Jahre: 1,0mg
13 bis 15 Jahre: 1,4mg

Erwachsene

Frauen:
15 bis über 65 Jahre: 1,2mg

Männer:
15 bis 19 Jahre: 1,6mg
19 bis 25 Jahre: 1,5mg
25 bis 51 Jahre: 1,5mg
51 bis 65 Jahre: 1,5mg
über 65 Jahre: 1,4mg

Schwangere

ab dem 4. Schwangerschaftsmonat: 1,9mg

Stillende

ab der Geburt: 1,9mg

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Risikogruppen Vitamin B6-Mangel

RisikogruppeBeschreibung
Schwangere & Stillende

Hier ist es in erster Linie der erhöhte Bedarf. Gerade beim Aufbau von Zellgewebe mit unterschiedlichen Aufgabengebieten wird Vitamin B6 benötigt. 

Raucher

Der Abbau an B-Vitaminen ist bei Rauchern beschleunigt. Zudem beeinträchtigt der Tabakkonsum die Umwandlung von Vitamin B6 in seine aktive Form.

Senioren

Auch ältere Personen sind gefährdet. Oftmals nehmen sie nicht genügend Nahrung auf und auch die Fähigkeit der Verwertung lässt mit dem Alter nach.

Frauen in den Wechseljahren

 Vitamin B6 kann helfen, den Hormonhaushalt zu regulieren.

Chronisch Erkrankte

Besonders bei chronischen Darmerkrankungen ist auch die Aufnahme von Vitamin B6 aus der Nahrung gestört. Es kommt zu einer Mangelversorgung.

Sonstige

Personen mit Untergewicht, einseitiger Fehl- oder Mangelernährung
Bei geringer oder einseitiger Nahrungsaufnahme kann es sehr schnell zu einem Vitamin B6-Mangel kommen. Die Vorräte, die der Körper bereithält, sind stark begrenzt.

Personen mit längerer Medikamenteneinnahme
Personen, die regelmäßig Medikamente (z. B. Hydralazine, Phenytoin, D-Penicillamin, L-Dopa)einnehmen, sollten auf ausreichend Vitamin B6 achten. Die chemischen Verbindungen in diesen und ähnlichen Medikamenten stören die Aufnahme von Vitamin B6 sowie die Aufnahme aus den Vorräten.

Personen mit chronischem Alkoholmissbrauch
Chronischer Alkoholkonsum führt zu einem erhöhten Abbau von Vitamin B6 und verschlechtert damit den Vitamin B6-Status deutlich. 

Vitamin B6 findet Anwendung bei

AnwendungsgebietBeschreibung
Prämenstruelles Syndrom

Das Zusammenspiel von Hormonen (Prostaglandin) und einer verminderten Durchblutung der Gebärmutter während der Menstruation führt manchmal dazu, dass sich die Muskeln schmerzhaft zusammenziehen (Krämpfe). Vitamin B6 ist an der Aufnahme von Magnesium beteiligt. Magnesium ist unverzichtbar für die Muskelarbeit. Zudem ist B6 auch bei der Herstellung des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) zur Stelle.

 
Immunschwäche

Vitamin B6 beschleunigt als Bestandteil von Enzymen Aufbauprozesse. Hier ist es im Einsatz für die Zellen des Immunsystems.

 
Hautprobleme

Vitamin B6 sorgt als Bestandteil von Enzymen dafür, das der Um- und Aufbau von Proteinen schneller abläuft. Eine Eigenschaft, die für eine gesunde Haut unerlässlich ist.

 
Depressive Verstimmungen

Vitamin B6 spielt bei der Umwandlung von Aminosäuren eine wichtige Rolle. Es ist damit auch an der Herstellung der Botenstoffe Serotonin und Dopamin beteiligt. Diese beiden Neurotransmitter spielen eine entscheidende Rolle für Konzentrationsfähigkeit und psychische Ausgeglichenheit.

 
Übelkeit

Bestimmte stickstoffhaltige (Abfall)Stoffwechselprodukte können sich aus unterschiedlichen Gründen im Magen anhäufen und für Übelkeit sorgen. Vitamin B6 hilft dabei, diese Stoffe abzubauen.

 

Häufige Fragen und wissenswertes

Was verbessert die Aufnahme von Vitamin B6?

Liegt kein diagnostizierter, isolierter Vitamin B6-Mangel vor, ist es fast immer sinnvoll, auch die Speicher von anderen Vitaminen, besonders B12 und Folsäure mit aufzufüllen.

Was verschlechtert die Aufnahme von Vitamin B6? 

Interessant ist hier der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von tierischem Protein und der Aufnahme von Vitamin B6. Essen Sie häufig und viel Fleisch, so ist auch der Bedarf an Vitamin B6 größer. Auch faserreiche Kohlenhydrate verschlechtern die Aufnahme von Vitamin B6. Bei der Zubereitung Vitamin B6-haltiger Produkte sollten Sie auf frische und kurze Garzeiten achten. Vitamin B6 ist hitze- und lichtempfindlich. Die Einnahme von Antidepressiva, krampflösenden Mitteln oder Tuberkulosemedikamenten verschlechtert die Aufnahme von Vitamin B6 ebenfalls.

Ist die gleichzeitige Einnahme von Vitamin B6, B12 & Folsäure sinnvoll?

Diese Vitamine gibt es oft in Kombination als Nahrungsergänzungsmittel. Alle drei Vitamine sind maßgeblich am sogenannten C1-Stoffwechsel beteiligt. Das sind biochemische Reaktionen, die für viele Körperfunktionen lebensnotwendig sind.

Vitamin B6 zu hoch?

Wenn Sie über längere Zeit täglich zu hohe Dosen (über 300mg) zu sich nehmen, kann es dazu führen, dass die Leber mit der Weiterverarbeitung nicht mehr nach kommt. Folgende Symptome sind möglich:

  • Hautreaktionen
  • Übelkeit
  • Ausfall der Reflexe
  • Missempfindungen
  • gestörter Temperatursinn
  • Gefühllosigkeit in den Extremitäten

Quellen

Burgerstein, U., Schurgast, H, Zimmermann, M: Handbuch Nährstoffe - Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung (2012), Trias Verlag (12. Auflage)
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b6/
https://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin_B6
http://www.gesundheit.de/ernaehrung/naehrstoffe/vitamine/vitamin-b6-pyridoxin
https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-umschau/pdfs/pdf_2008/02_08/EU02_102_107.qxd.pdf
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=medizin1_28_2005